Ich mag ICE-Fahren wirklich gern, doch irgendwann kam mir der Gedanke, ich hätte die echte Entfernung nach München falsch eingeschätzt. War das schon immer so weit im Süden? Kurz vor Augsburg dachte ich, es könnte mal so langsam kommen ;-)
Ich hatte mit Glück Hin- und Rückfahrt als 1. Klasse gebucht, das war nur 10 € teurer als 2. Klasse zu dem Zeitpunkt, alle anderen Angebote waren schon wech.
Irgendwann hat man aber einfach keine Lust mehr Radio zu hören, zu lesen oder die Knabbereien zu verdrücken, die das Zugpersonal serviert. Gerade als ich mich fragte, wann man eigentlich vom langen Sitzen spätestens eine Thrombose bekommt, fuhr der Zug in
Ich hätte eigentlich wissen müssen, das hier alles andersrum ist und so war vorne eben auch hinten und die 1. Klasse Fahrgäste mussten am weitesten zum Ausgang laufen :-D
Großstadterprobt fand ich zielsicher die Tramstation und war stolz, die Richtung und Nummer zu wissen. Leider war mir der Fahrscheinautomat ein Rätsel, der mir von den Mitreisenden auch nicht erklärt werden konnte.
Also als Tourist outen und den Fahrer zwar mit "Grüß Gott" aber sonst auf Hochdeutsch gefragt, natürlich auf bayrisch eine Antwort bekommen, aber trotzdem Erfolg gehabt und eine Fahrkarte nach Nymphenburg gelöst.
Ich fühlte mich voll integriert!
Dann endlich konnte ich nach einer kleinen Orientierungsübung (wo müsste denn nun Norden sein?) viele liebe Leute wiedersehen und nach all dem Trubel sogar bei McDonalds dann gleich nochmal mindestens die Hälfte der Truppe treffen ;-)
Selig und satt schlief ich in meiner Herberge in Garching (DANKE!) ein und wurde höchstens von den Rufen der Raubtiere geweckt, die sich aber mehr für ihre Brekkies als für mich interessierten.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit dem besten Cappuccino der westlichen Welt kam schon die Zeit meiner Ausweisung aus dem Freistaat.
Ja, ihr merkt es schon, hier wird die Geschichte langsam traurig:
Mit der U-Bahn sollte es ganz einfach gehen und ich als Profi im Kartenkauf bekomme auch gleich die bereitstehende Bahn, die dann aber an der nächsten Station schon stoppt. Es kann nur mit Bussen weitergehen, die mich eine Menge Zeit kosten. Am Zielbahnhof der Busse steht ein Taxi, das ich nehmen soll, damit ich Zeit aufhole. Unterwegs habe ich schon die unheilvollen Plakate des Marathons in München am heutigen Sonntag gesehen.
Der Taxifahrer redet zwar absolutes Bayrisch, aber ich verstehe immerhin noch, dass alles gesperrt ist und ich mache ihm klar, dass ich dann doch die Bahn versuche und hechte zum Bahnsteig. In der U-Bahn beginne ich wie ein Tier im Käfig auf und abzulaufen...
Als ich noch 5 min bis zur Abfahrt meines 1. Klasse Platzes im ICE nach Hamburg habe, flitze ich gerade am Marienplatz zur S-Bahn, nur um festzustellen, dass die nächste Bahn zum Hauptbahnhof in 3 Minuten kommt.
Man braucht nicht viel Grips, um die Wahrscheinlichkeit zu errechnen, meinen ICE noch zu erreichen, sie geht im Grunde gegen Null, aber ich wünsche mir zum ersten Mal technische Probleme an meinem Zug, damit er noch eine oder zwei Minuten stehenbleibt.
Ich setze zum Endspurt in meinem München-Marathon an und kurve um lahme Rentner herum und nehme bei der Treppe "zu den Fernzügen" drei Stufen auf einmal. Mein Gleis 24 muss gleich dahinter sein, wenn ich aus dem Untergrund raufkomme:
Es ist leer.
Mein Kopf müsste weh tun, so hart ist der Aufprall der Realität, die ich aber nie anders erwartet hatte. Ich habe auch gut gerechnet, ich bin 2 Minuten zu spät. Ich hätte nur eine U-Bahn vorher erwischen müssen.
Frustriert lasse ich mir den Preis für eine neue Fahrkarte nennen, ich hatte natürlich nur eine aus dem Internet, die nicht erstattet wird. Den Preis verdaue ich erstmal und lasse mit Flugtickets vergleichen, entscheide mich aber dann für den Erwerb einer Probe-Bahncard. Mit diesem Streich habe ich bereits 2,25 € gesprat, erwische aber nun nach dem Hin und Her erst den ICE 2 Stunden später als geplant.

Und dann noch 2. Klasse. Voll doof und echt überfüllt, weil Sonntag ist.
Ich freue mich trotzdem, weil das Wochenende so schön war und mein Mann mich vom Bahnhof abholt. Und die Strecke zurück war gar nicht so lang wie die Hinfahrt!*
* das liegt daran, dass auf der Strecke über Nürnberg 20 Minuten oder so gespart werden können ;-)
1 Kommentar:
Manchmal macht's einem diese Stadt echt schwer, wobei ich in HH auch schon einen Termin wegen einem Stadtmarathon verpasst habe ;). Als kleiner Trost vielleicht: Die BC25 ist häufig wegen weiterer Sonderangebote, die für sie gelten, wesentlich besser als die BC50! Ansonsten gehen wir das nächste mal in München frühstücken und laden Dich ein - es gibt da ein Cafe gleich beim Hauptbahnhof...
Leo
Kommentar veröffentlichen